Freitag, 11. März 2016

Work-Life-Balance ist heute ein Thema für beide Geschlechter

Wirtschaft und Bildungswesen müssen reagieren

Wie ihr wisst, suche ich schon seit längerem einen Job, der mit meiner Familiensituation zu vereinbaren ist. Aber der Job muss mir auch Spaß bringen, denn ich möchte ihn eine lange Zeit ausüben. Eine Work-Life-Balance ist da unabdingbar. Man liest viel, dass es Frauen schwer fällt, eine ausgewogene Balance von Familie, Beruf und Freizeit zu erreichen. Aber wie geht es den Männern?

Die internationale Managementveratung Bain & Company ist in einer Studie ("Integrating work and life - it's not just a woman's issue anymore") zu dem Ergebnis gekommen, dass es eben nicht mehr nur ein Frauenthema ist. Für fast ebenso viele Männer wiegen ihre Lebensprioritäten inzwischen schwerer als eine berufliche Karriere.



Das Erreichen von nicht beruflichen Zielen ist wichtiger als eine schnelle Karriere


Dies sagen 50 Prozent der weiblichen und 51 Prozent der männlichen befragten StudentInnen. Darüber hinaus geben nur noch 32 Prozent an,der Studentinnen und 36 Prozent der Studenten dem beruflichen Aufstieg den Vorzug (Abb. 1). "MBA-Studenten von heute denken intensiv darüber nach, was sie beruflich und persönlich erreichen wollen", analysiert Dr. Henrik Naujoks, für Personal verantwortlicher Partner bei Bain & Company. "Sie sind nicht mehr ausschließlich auf die Karriere fokussiert, sondern streben ein erfülltes Leben in vielen Dimensionen an." 40 Prozent der Studentinnen und sogar 42 Prozent der Studenten betrachten den ständigen Kompromiss zwischen Beruf und anderen Ambitionen als das größte Hindernis für ihre Karriereziele.


Infografik zur Bain-Studie zur Work-Life-Balance: Männer wie Frauen wünschen sich flexible Karrierepfade und Zeit für außerberufliches Engagement. Grafik: Bain & Company 



Männer definieren beruflichen Erfolg nach wie vor anders


Viele der befragten Männer formulieren Bedürfnisse, die früher als traditionell weiblich galten. Wichtiger als ein hohes Gehalt oder Prestige ist für 59 Prozent der MBA-Aspiranten, in ihrem Beruf etwas Positives zu bewirken. 51 Prozent möchten im Laufe ihrer Karriere ein soziales Projekt verwirklichen. Und 44 Prozent wünschen sich eine
Auszeit ohne berufliche Nachteile.

Klare Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es hingegen weiterhin bei der Definition des beruflichen Erfolgs: Für 37 Prozent der Studenten ist finanzieller Wohlstand zweitwichtigstes Ziel. Bei den Frauen liegt dieses Bestreben mit 23 Prozent lediglich auf Rang fünf. Außerdem nennen männliche Top-Absolventen Technologiekonzerne und unternehmergeführte Firmen als zwei von drei Wunscharbeitgebern, während Frauen auch starkes Interesse an Branchen mit gesellschaftlicher Bedeutung haben.


Die Konsequenzen der Studie


Die Ergebnisse dieser Umfrage haben Konsequenzen sowohl für Unternehmen als auch für Ausbildungsstätten. Sie müssen sich auf die veränderten und flexibleren Karrierewünsche der Studenten einstellen - die einen, um für die Top-Absolventen interessant zu bleiben, die anderen, um nicht an der Realität vorbei auszubilden.

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Home Office als Selbstverständlichkeit?

Was das für Mütter und Väter bedeutet


Für Unternehmen heißt es daher mehr zu tun, als nur über Flexibilität zu reden. Sie müssen zeigen, dass es in ihrer Firmenkultur verschiedene Optionen für den Weg ins Top-Management gibt. Dazu gehören moderne Arbeitsmodelle wie Teilzeitbeschäftigung, Jobsharing, Homeoffice sowie Auszeiten, die der Karriere nicht schaden. "Es geht nicht länger nur darum, ein Talent möglichst schnell nach oben zu katapultieren", so Naujoks. "Vielmehr gilt es Führungspersönlichkeiten zu entwickeln, die in ihrem Beruf, aber auch in anderen Lebensbereichen erfolgreich sind."


Ich glaube trotzdem, dass es noch ein sehr langer Weg sein wird, bis diese Arbeitsmodelle in allen Unternehmen Wirklichkeit werden. Ich hoffe für meine Töchter, dass sie davon später profitieren können, wenn sie sich für eine Familie entscheiden und weiter arbeiten möchten.


Liebe Grüße und bis bald
eure Isa

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