Gastbeitrag: Eine deutsche Familie in den USA (Teil 2)

Endlich angekommen – ein neues Leben in San Diego

Zum ersten Teil geht esHIERentlang.


Ich sitze hier auf dem Sofa, die große
Tochter schläft bereits und mein Mann ist noch mit einem Autodeal beschäftigt,
während ich bemerke, dass die Bewegungen unseres Babies in meinem Bauch immer
weniger und zaghafter werden. Ja, langsam wird es eng und in nur wenigen Wochen
werden wir sie in unseren Armen halten. 
Vor uns liegt eine aufregende Zeit mit einer Geburt in Amerika und der Neufindung
als vierköpfige Familie. Doch auch wenn diese kommende Veränderung wieder viele
Höhen und Tiefen mit sich bringen wird, habe ich keine Angst, denn ich weiß,
dass wir als Familie so stark zusammen sind wie nie zuvor.

Frisch
angekommen in Kalifornien ließen wir uns zu Beginn langsam treiben. Wir hatten
keine Eile, wieder in den Beruf zu finden und genossen die Leichtigkeit des
Seins. Drei Monate lang lebten wir in den Tag hinein, genossen die Pancakes zum
Frühstück bei Sonnenschein auf dem Balkon, machten uns auf den Weg an den
endlosen Strand in Newport Beach, wo mein Mann auch das Wellenreiten lernte und
fühlten uns abends nach der intensiven Sonnenbestrahlung bei einem Glas
Weißwein tief entspannt und glückselig.

Doch
diese Urlaubszeit musste natürlich irgendwann dem Alltag weichen. Ein Job
musste gefunden, Versicherung abgeschlossen, Führerschein gemacht werden und
noch einiges mehr. Und plötzlich stellten wir fest: die Herausforderungen, ein
neues Leben zu gestalten, sind größer, als wir im Vorfeld gedacht hatten. Und
dass wir uns für dieses neue Leben den teuersten Bundesstaat ausgesucht hatten,
machte all das nicht leichter.  Wir
wechselten die Jobs, telefonierten uns durch die Gegend und weil uns mit der
Zeit in Orange County mehr fehlte, als dass wir gewonnen hatten, standen wir nach
nur einem halben Jahr am Strand und die Tränen liefen mir über die Wangen.

San Diego am Strand
am Strand

Das Gefühl des Ankommens

Es war also Zeit, um den Kurs zu ändern.

Wir
waren noch weit davon entfernt, ein Gefühl des Ankommens zu spüren und wussten,
wir müssen hier etwas grundlegend ändern.

Gesagt, getan: wir zogen nach San Diego.

Auswandern mit Kindern_USA
Umzug nach San Diego

San
Diego erschien uns sehr viel grüner, ruhiger (was den Verkehr betrifft) und die
Menschen relaxter als in der LA Region. Und als wir die Wohngegend Pacific Beach kennenlernten mit den
vielen Menschen um uns herum, dem Strand direkt vor der Wohnungstüre und einer
echten Gemeinschaft, wussten wir, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Mein
Mann ergatterte einen Job um die Ecke und wir bezogen eine Wohnung, die wir von
anderen Deutschen übernahmen. Direkt eingezogen fühlten wir uns pudelwohl, als
wir von den herzlichen Nachbarn begrüßt wurden und unsere Tochter mit dem
gleichaltrigen Nachbarsjungen spielte. Nach Feierabend konnte mein Mann noch
mit dem Fahrrad an den Strand, wir holten Brötchen vom Bäcker um die Ecke und
nutzen jede Minute draußen.

Wir konnten kaum glauben, wie gut es uns
ging.

Als
mein Mann auch endlich in einem Job angekommen war, der ihn rundum ausfüllte
und meine Tochter und ich uns ein lebendiges Leben aufbauten, stellten wir
irgendwann ganz plötzlich fest: wir
waren angekommen.

USA mit Kind_Reisen mit Kindern_Kalifornien
in San Diego

Dieser Prozess dauerte vermutlich ein Jahr. Ein Jahr, dass
uns viel abverlangte. Ein Jahr, das uns aber vor allem unendlich viel schenkte:

Wir erhielten das Geschenk,
zu wissen, dass wir all unser Glück selber in der Hand halten. 

Wir erhielten das Geschenk,
als Familie so stark wie niemals zuvor zusammen gewachsen zu sein.

Doch das größte Geschenk
sehen wir jeden Tag vor uns. Immer wieder müssen wir unsere Augen reiben und
kräftig schlucken, wenn wir beim Verlassen der Wohnung am Horizont die Sonne
über dem Wasser untergehen sehen. In solchen Momenten möchten wir jubeln und
Luftsprünge machen und die Gedanken, dass wir all das aufgeben sollten, sind
für immer verpufft.

Vielen Dank, liebe Anne Sophie, dass du uns an deinen Gedanken und Gefühlen teilhaben lässt.

Mehr zur Auswanderer-Familie könnt ihr auf ihrem Blog Little Steps lesen.



Wollt ihr auch von eurem spannenden Abenteuern berichten? Meldet euch gerne bei mir: isa@larilara.de

Bis bald

eure Isa

2 Kommentare

  • Ein schöner Bericht! Ganz schön mutig, finde es wunderbar wenn die Familie so toll zusammenhält, da hört man ja oft auch anderes und wie die Familie zu Bruch geht. Ich kannte den Blog Little Steps und Anne Sophie noch nicht, werde aufjedenfall mal reinschauen.
    Liebe Grüße Susi

  • Da will man glatt auch auswandern!
    Super schön geschrieben! !!

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