Wochenende in Oldenburg: Warum die Fahrradstadt im Norden mehr kann, als ich dachte

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Einladung von Oldenburg Tourismus.
Meine Meinung und alle Eindrücke in diesem Beitrag bleiben davon unberührt.
Oldenburg stand bei mir lange auf der „kenn ich nicht wirklich“-Liste. Eine Stadt, an der man auf dem Weg zur Nordsee vorbeifährt, mehr nicht – dachte ich. Nach einem Wochenende zwischen Fachwerk, Schlossgarten und Freiluftkino kann ich sagen: falsch gedacht. Von Freitagabend bis Sonntagmittag war ich auf Einladung von Oldenburg Tourismus in der Stadt und habe erlebt, wie viel Oldenburg Sehenswürdigkeiten auf recht kleinem Raum zu bieten hat. Ich nehme dich mit in mein Wochenende Oldenburg – mit allem, was wir gesehen, gegessen und gelernt haben.
Wochenende Oldenburg Tag 1: Ankommen & Schlafen im Altera Hotel
Unsere Basis für die zwei Nächte war das Altera Hotel Oldenburg, mitten in der Stadt gelegen und damit der perfekte Startpunkt für alles, was zu Fuß erreichbar sein sollte. Die Zimmer waren ruhig, unaufgeregt eingerichtet und genau das, was man nach einem langen Lauftag durch die Innenstadt braucht.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Kaffee: Es gibt frisch gebrühten Barista-Kaffee zum Frühstück, kein 08/15-Automatenkaffee. Das Frühstück selbst holen sich viele Gäste – so auch wir – direkt gegenüber im Restaurant Schmitz, das frische Eierspeisen auf die Karte setzt. Ein Rührei, Spiegelei oder Omelette können immer frisch bestellt werden. Dazu gibt es ein kleines Buffet mit Brot, Brötchen, Müsli und Aufschnitt. Ein schöner Start in den Tag, bevor es wieder raus in die Stadt ging.
Freitagabend: Zünftig einkehren bei Ols Brauhaus am Hafen
Der erste Abend unseres Wochenende Oldenburg begann mit dem Abendessen im Ols Brauhaus am Hafen. Hier wird noch selbst gebraut, und dazu gibt es deftige, „zünftige“ Hausmannskost – genau richtig nach einer Anreise mit Hunger im Gepäck. Die Lage direkt am Hafen macht den Abend noch runder: drinnen warmes Licht und Bierdunst, draußen der Blick aufs Wasser. Ein Restaurant für alle, die nach einem ehrlichen Bier und deftigem Essen ohne viel Chichi suchen.


Oldenburg mit einer Stadtführung entdecken
Wie kann man eine Stadt am besten entdecken? Genau, mit einer Stadtführung. Es ging für uns zu Fuß durch die Innenstadt, vorbei an wichtigen Sehenswürdigkeiten und historischen Orten. Wir haben viel über Oldenburgs Geschichte erfahren. So haben Graf Anton Günther und Herzog Peter Friedrich Ludwig die Stadt bis heute geprägt. Oldenburg war bis 1667 Residenz der Grafen von Oldenburg und seit dem späten 18. Jahrhundert der Herzöge und Großherzöge von Oldenburg. Viele der beeindruckenden Gebäude und Plätze erzählen noch heute von der Zeit, als Oldenburg Residenzstadt war. Allen voran natürlich das Schloss mit seinen prunkvollen Räumen. Aber auch das Prinzenpalais, das Elisabeth-Anna-Palais, der Schlossgarten und die Schlossfreiheit mit ihren historischen Verwaltungsgebäuden gehören dazu.
Selbst die St. Lambertikirche und das Oldenburgische Staatstheater – früher einmal Hoftheater – erzählen von dieser Zeit. Und wer genauer hinschaut, entdeckt an vielen Häusern Wappen und andere kleine Spuren der Vergangenheit.
Wer einmal eine ganz andere Stadtführung machen möchte, der geht zur Nachtwächtertour Oldenburg. Diese Führung macht die „blaue Elise“ – eine echte Type mit Laterne, Umhang und einer Menge Geschichten über Oldenburg, die man in keinem Reiseführer findet. Der Clou: Es gibt die Tour in zwei Varianten. Mit Umtrunk unterwegs heißt sie „beschwipste Elise“, ganz ohne Alkohol läuft die nüchterne Elise durch die Gassen. Zwischen Anekdoten über Grafen, Stadtbrände und nächtliche Skandale gab es an mehreren Stationen einen kleinen Schluck dazu. Klarer oder Bier – die blaue Elise hatte alles dabei.
Für alle, die Städtereisen mit einer Prise Humor und Lokalkolorit mögen, ist das eine wundervolle Art, eine Stadt kennenzulernen.



Ausklang am Rathausmarkt
Nach der Tour sind wir mit einem Paar, das wir bei der Führung kennengelernt hatten, spontan noch auf ein Glas Wein im Ma am Rathausmarkt gelandet. Genau diese unverplanten Momente machen einen Kurztrip für mich oft erst richtig rund: ein lauer Abend, gute Gespräche mit wildfremden Menschen, mitten auf dem Rathausmarkt.
Samstagmorgen: Durch die Lange Straße und ins Degodehaus
Samstag ging es zu Fuß los, mitten hinein in die Fußgängerzone Lange Straße – übrigens eine der ältesten Fußgängerzonen Deutschlands. Kein Wunder, dass hier Einheimische wie Besucher:innen gleichermaßen bummeln, einkaufen und Kaffee trinken gehen.

Ein Pflichtstopp auf dem Weg ist das Degodehaus am Markt, direkt gegenüber vom Rathaus. Das Fachwerkhaus wurde bereits 1502 errichtet und ist damit eines der ältesten erhaltenen Gebäude der Stadt – es überstand sogar den großen Stadtbrand von 1676, der große Teile der mittelalterlichen Altstadt zerstörte.
Seinen heutigen Namen bekam es aber erst 1860, als der Kaufmann Wilhelm Degode hier ein Kolonialwarengeschäft mit eigener Kaffeerösterei eröffnete. Heute befindet sich im Erdgeschoss ein Birkenstock-Laden – und genau dort lohnt sich der Blick nach oben.
An der Decke ist ein aufwendiges, farbenfrohes Gemälde aus dem Jahr 1645 erhalten, das die damals bekannten vier Kontinente Europa, Asien, Afrika und Amerika zeigt. Jahrzehntelang war es unter einer Stuckdecke verborgen und wurde erst 1992 zufällig wiederentdeckt. Wer in Oldenburg shoppen geht, sollte also ruhig auch mal nach oben schauen.
Über die Märkte schlendern
Der Samstagvormittag in Oldenburg gehört den Märkten. Wir sind an mehreren Ständen mit regionalem Gemüse, Blumen und Streetfood vorbeigeschlendert – genau das richtige Programm, um ein Gefühl für das Alltagsleben der Stadt zu bekommen, jenseits der klassischen Sehenswürdigkeiten. Wer Lust auf lokale Spezialitäten hat, findet hier meist auch Grünkohl-Produkte, schließlich gilt Oldenburg als „Kohltourhauptstadt“ Norddeutschlands.
Kleine Pause im Koffie Kliek
Für eine Zwischenmahlzeit haben wir im Koffie Kliek Halt gemacht – ein Café in der Bergstraße mit eigenem Charme, in dem man seine Stulle auch auf einer Schaukel sitzend essen kann. Das haben wir natürlich gemacht. Lustig. Ein kleines Detail, das den Laden sofort sympathisch macht und für Fotos sorgt, die garantiert anders aussehen als die üblichen Café-Schnappschüsse. Das Café ist auch sehr kinderfreundlich. Im Innenbereich gibt es noch einen Hinterhof. Hier ist eine kleine Spielecke für die ganz kleinen Kinder eingerichtet.

Bergstraße, St. Lamberti-Kirche und die Ule
Eine der geschichtsträchtigsten Ecken der Innenstadt ist die Bergstraße. Hier haben wir einiges über die Entwicklung des Viertels rund um Oldenburg gelernt. Von dort aus sind wir an der St. Lamberti-Kirche vorbeigekommen, bevor wir kurz bei der Ule vorbeigeschaut haben – einer der ältesten und bekanntesten Kneipen der Stadt, die seit den 1970er-Jahren echte Oldenburger Kneipenkultur lebt. Selbst wenn man nicht einkehrt: Ein Blick hinein lohnt sich, um zu spüren, wie eng Tradition und Alltag in der Oldenburger Altstadt zusammenhängen.


Tretbootfahrt im Schlossgarten
Zu den schönsten Momenten unseres Wochenende Oldenburg zählte eine Tretbootfahrt auf der Mühlenhunte. Bei Bootzeit an der Mühlenhunte haben wir uns den Schwan Elisabeth geschnappt und sind gemütlich über das Wasser gefahren, umgeben von altem Baumbestand und Blick auf das Schloss. Für eine Stadt dieser Größe ist es überraschend, wie viel Grün und Wasser direkt im Zentrum liegt – ein echter Ruhepol nach dem Trubel der Märkte. Ob Schwan oder Ente – man muss wissen, dass diese beiden Tretboote nicht unter der Brücke hindurchpassen. Ist aber auch nicht weiter schlimm, da man bis zur Brücke schon 85 % der Strecke hinter sich gelassen hat. Wer doch bis zum Ende fahren möchte, mietet sich einfach ein klassisches Tretboot.
Ein Blick ins Schloss Museum
Direkt angrenzend liegt das Oldenburger Schloss, in dem heute das Schloss Museum untergebracht ist. Ein Besuch lohnt sich nicht nur wegen der Kunstsammlung, sondern auch wegen der Räumlichkeiten selbst: Prunkvolle Säle erzählen viel über die Zeit, als Oldenburg noch Residenzstadt eines Herzogtums war – dazu gleich mehr im Geschichtsteil.

Tapas im Caldero Restaurant
Ein Wochenende Oldenburg mit Tapas-Liebe? Geht. Denn wir lieben Tapas und die spanische Kultur. Somit sind wir ins Caldero Restaurant am Markt eingekehrt. Hier gibt es echte spanische Tapas mit mediterranem Lebensgefühl. Das Kellergewölbe ist urig und gemütlich.
Fahrradstadt Oldenburg
Was uns an unserem Wochenende Oldenburg aufgefallen ist: Oldenburg mit dem Fahrrad zu erleben, wäre eine echte Alternative zu unserem Fußmarsch gewesen. Überall in der Stadt gibt es breite, gut ausgebaute Fahrradwege, und gefühlt ist an jeder zweiten Ampel mehr Platz für Räder als für Autos. Wer öfter in Norddeutschland unterwegs ist, kennt das aus Städten wie Münster – Oldenburg braucht sich hier nicht zu verstecken. Hätten wir etwas mehr Zeit gehabt, hätten wir eine größere Radtour ins Umland gemacht. Es gibt zum Beispiel auch die Tour „Escape by Bike„. Auf den Spuren des ehemaligen Hofgärtners Julus Friedrich Wilhelm Bosse radelst du durch ein spannendes Escape Abenteuer. Beim nächste Besuch steht das auf unserer Bucket List.
Samstagabend: Sommerkino unter freiem Himmel
Den Abschluss des Samstags an unserem Wochenende Oldenburg bildete das Sommerkino Open-Air, bei dem wir uns den Film „22 Bahnen“ im Cine k angeschaut haben. Kino unter freiem Himmel, laue Sommerluft, eine Decke auf dem Schoß – ein wunderbar entspannter Ausklang nach einem vollgepackten Tag und definitiv ein Tipp für alle, die im Sommer in Oldenburg unterwegs sind.

Wochenende Oldenburg Tag 3: Zum Abschluss noch an den Hafen
Nach dem Auschecken war noch Zeit für eine letzte Runde durch Oldenburg. Wir sind zu Fuß zum Hafen gelaufen und haben dort einen kleinen Rundgang auf die andere Seite des Flusses gemacht – ein ruhiger Kontrast zum quirligen Markttrubel vom Vortag, mit Blick aufs Wasser und den Booten am Kai. Danach ging es noch einmal durch den Schlossgarten, bevor wir zum Abschluss im 60 Seconds to Napoli eingekehrt sind und uns dort zum Mittagessen eine Pizza und einen Salat gegönnt haben. Ein entspannter Ausklang für den letzten Tag, bevor die Heimreise anstand.
Ein Blick in die Geschichte Oldenburgs
Damit die Stadt beim nächsten Rundgang noch mehr Sinn ergibt, hier die Kurzversion der Oldenburg Geschichte: Die Ursprünge der Stadt reichen bis ins frühe Mittelalter zurück, als sich rund um eine Burg an der Hunte eine Siedlung entwickelte, die 1108 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Von hier aus regierten die Grafen von Oldenburg, ein Adelsgeschlecht, das im Lauf der Jahrhunderte eine bemerkenswerte Karriere hinlegte: Graf Christian I. wurde im 15. Jahrhundert sogar König von Dänemark, Norwegen und Schweden und begründete damit die dänische Linie des Hauses Oldenburg.
Ein Wendepunkt für die Stadt selbst war 1345 die Verleihung des Bremer Stadtrechts, wodurch Oldenburg eine eigene Stadtmauer und einen Stadtgraben bekam. Schwer getroffen wurde die mittelalterliche Bausubstanz durch den großen Stadtbrand von 1676, bei dem fast die gesamte Altstadt in Flammen aufging – nur wenige Gebäude wie das Degodehaus blieben verschont.
Richtig aufsteigen konnte Oldenburg dann ab 1773/74, als die bis dahin dänisch verwaltete Grafschaft an eine jüngere Linie des Hauses Gottorf fiel und zum Herzogtum erhoben wurde. Unter Herzog Peter Friedrich Ludwig, der von 1785 bis 1829 regierte, wurde Oldenburg wieder zur Residenzstadt und im Stil des Klassizismus praktisch neu gestaltet – viele der heute noch prägenden Bauten in der Innenstadt gehen auf diese Zeit zurück. 1815, nach dem Wiener Kongress, wurde daraus das Großherzogtum Oldenburg, das bis zum Ende der Monarchie 1918 Bestand hatte.
Diese wechselvolle Geschichte als eigenständiges kleines Staatswesen mitten in Norddeutschland erklärt auch, warum Oldenburg bis heute ein ganz eigenes Selbstverständnis hat. Dies ist spürbar in der Architektur, aber auch im Stolz, mit dem hier von der eigenen Stadtgeschichte erzählt wird, zum Beispiel bei der Nachtwächtertour.








Mein Fazit zum Wochenende Oldenburg
Ein Wochenende Oldenburg reicht, um sich in die Stadt zu verlieben – vor allem, wenn man Lust auf eine Mischung aus Geschichte, Genuss und Wasser hat. Von der Nachtwächtertour über das Tretboot im Schlossgarten bis zum Sommerkino war für uns an zwei Tagen erstaunlich viel Programm drin, ohne dass es gehetzt wirkte. Wer einen Kurztrip nach Niedersachsen sucht, der abseits der üblichen Verdächtigen liegt, sollte sich Oldenburg definitiv genauer anschauen. Und egal, ob du aus Nordrhein-Westfalen gen Norden fährst oder aus dem Norden ans Meer möchtest: Lege einen Stopp in Oldenburg ein. Es lohnt sich.
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