Kolumne: Gedanken einer Frau zum Jahreswechsel

Silvester

„Ich sitze gerade in meinem Sessel und frage mich, was ich mir vom neuen Jahr erhoffe oder wünsche oder vornehme.

Für gute Vorsätze bin ich zu alt, zu erfahren, zu stolz auf mich und mein bereits Erreichtes. Das schönste, was ich dazu jemals gelesen habe: Und was wenn du das ganze Vorsätzeding sein lässt und stattdessen einfach glücklich bist? Ja, das finde ich einen schöneren Start für das neue Jahr; viel besser als Verbote und Vorsätze sich aufzuerlegen, die mir das Gefühl geben, ich wäre ein Versager, alles bisher Getane und Erreichte nichts wert. Das hat niemand verdient. So sollte niemand mit sich selbst umgehen.

Nun, was wünsche ich mir vom Jahr 2021?

Ehrlich gesagt, ist es nicht viel.

Ich wünsche mir einen klaren Blick für schöne Momente wie ein herrliches Motiv für meine Fotos, wie einen Augenblick in der Meditation, in dem ich ganz bei mir bin, in mir ruhe und Eins mit mir bin.

Ich wünsche mir einen stolzen Moment mit meinen Kindern, in dem sie mich mit ihrem Ich überraschen. Ich wünsche mir eine warme Hand auf meiner Schulter, die mich zurückhält mit meinen Kindern zu meckern, zu schnauzen, zu schimpfen, über Nichtigkeiten oder missverstandene Situationen, die meine Kinder unnötig verletzen und entmutigen.

Ich wünsche mir ein offenes Herz, um die kleinen Gesten zu bemerken, die mich berühren und wärmen.

Ich wünsche mir ein silbernes Glöckchen, das leise und zärtlich mir Mut zuklingelt, wenn ich am Aufgeben bin und alles hinschmeißen will; wenn der Rennsteig mit seinen steilen Aufs und rasenden Abs mich in die Knie zwingen will; wenn die Wochenkilometer sich unendlich und unerreichbar weit weg anfühlen, wenn mich eine Erkältung zur Pause zwingt.

Ich wünsche mir gemeinsame Läufe mit Freundinnen und Bekannten, bei denen uns die Geschwindigkeit egal ist, weil wir die Gemeinsamkeit zelebrieren, die neu gewonnene Freiheit feiern und noch einen Kilometer dranhängen, einfach nur um die gemeinsame Zeit noch ein Stückchen in die Länge zu ziehen.

Ich wünsche mir ein paar Tage in der Heimat, um mit meiner Mutti über vielen Tassen Kaffee zu quatschen und durch die Wälder walken zu gehen und meinen Kindern Omizeit mit vielen Erinnerungen zu schenken.

Ich wünsche mir Gleichmut und Zufriedenheit in haarigen Situationen, um das Gleichgewicht halten.

Ich wünsche mir Zuversicht, um in den dunkelsten Stunden mich hinabfallen lassen zu können, getragen von der Zuversicht, dass ich ganz unten am Boden die Kraft tanken werde, um mich aufzuraffen, den Staub von mir zu klopfen und aufzustehen.

Ich wünsche mir Muße fürs Schreiben, Lesen, Musik Hören.

Ich wünsche mir im Winter Langlaufen gehen zu können, auf schmalen Ski durch die Loipe und um mich herum nur weiches Weiß und Glitzern, Atemwölkchen und ein stolzes Grinsen auf meinem Mund. Swusch swusch swusch sollen die Stöcke und Bretter in der Loipe surren. Wumwumwum soll mein Herz schlagen, meine Muskeln im Takt bleiben und der kalte Wind über mein Gesicht wehen. Ich will den Berg hinaufstapfen, um dann geduckt ins Tal hinabzusausen, meine Finger am heißen Kaffee aufzuwärmen, den Schnee von den Schuhen zu klopfen mit der Vorfreude auf die nächste Tour.

Ich wünsche mir viele gemeinsame Stunden mit Freunden, die wir so ewig nicht sehen konnten. Gemeinsame Läufe, gemeinsames Kochen und Genießen, Abende verquatschen, gemeinsam lachen, alte Geschichten auspacken, diskutieren, Ängste und Sorgen teilen und zum Schluss eine feste Umarmung und ein Versprechen, dass das nächste Wiedersehen nicht so lange auf sich warten lassen wird.

Ich wünsche mir neue Herausforderungen auf Läufen voller neuer Eindrücke und bleibender Erinnerungen. Ich wünsche mir, dass der Rennsteiglauf stattfindet und sich der Thüringer Wald von seiner besten Seite präsentiert und mich auf ein Wiedersehen einlädt. Ich wünsche mir eine Wiederholung der Läufe im Harz.

Ich wünsche mir, dass ich niemals aufhöre zu träumen, zu hoffen, zu wünschen. Ich wünsche dir, dass mein Mantra „in der Ruhe liegt meine Kraft“ Erinnerungen schafft, die mich in ein paar Jahren retten und mir Auftrieb geben.

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Und was wünschst du dir?

Zum Start der Kolumne geht es HIER entlang.

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Gedanken einer Frau

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