U-Untersuchungen - Alles was du wissen solltest


Das gelbe Heft und die U-Untersuchungen - Ein Interview mit Expertin Dr. Lydia Bodner


Fragen und Antworten mit Dr. Lydia Bodner

Bereits im Krankenhaus, wenn das Baby nur wenige Tage alt ist, bekommt man das gelbe Heft und das Kind wird untersucht. Alles Babys erhalten im Krankenhaus mindestens eine Vorsorgeuntersuchung, man spricht hier von der U1. Die Neugeborenenuntersuchung wird in das gelbe Kinderuntersuchungsheft eingetragen. Von nun an begleitet dich dieses Heft dich und dein Kind die nächsten sechs Jahre. Insgesamt zehn Früherkennungsuntersuchungen, die U1 bis U9, werden bis zum Vorschulalter in das gelbe Heft notiert.


Ich habe Dr. Lydia Bodner zum gelben Heft und den U-Untersuchungen befragt. Lydia ist Fachexpertin und betreut bei der SBK den Bereich "Gesund bleiben".

Fachexpertin bei der SBK
Lydia Bodner
Liebe Lydia, vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst. Ich finde das Thema sehr wichtig und möchte etwas dazu beitragen, dass die U-Untersuchungen ernster genommen werden.
Wie ist das denn mit der „Pflicht“? Muss man die U-Untersuchungen machen?
Nein, niemand wird dazu gezwungen, mit seinem Kind zur U-Untersuchung zu gehen. Ich würde es Eltern aber immer empfehlen, da die Untersuchungen Hinweise geben können, ob sich ein Kind altersgemäß entwickelt. Früh erkannt lassen sich Krankheiten oder Entwicklungsstörungen meist gut behandeln. Natürlich entwickelt sich jedes Kind individuell und Ärzte, Ärztinnen und Eltern sollten sich nicht zu sehr an theoretische Vorgaben klammern, wie ein Kind in einem gewissen Alter zu sein hat. Es ist normal, dass es Unterschiede zwischen Kindern gibt. Wenn aber doch einmal etwas bei einer U-Untersuchung entdeckt werden sollte, kann man anschließend gemeinsam entscheiden, ob und welche Behandlung nötig ist.

Die U-Untersuchungen werden von den Krankenkassen bezahlt. Was leistet die SBK zusätzlich?
Bis zur U9 und bei der J1 handelt es sich bei allen Untersuchungen um gesetzliche Leistungen, die von jeder Krankenkasse übernommen werden. Bei der SBK haben wir uns entschieden, auch die drei zusätzlichen Untersuchungen U10, U11 und J2 bei Vertragsärzten zu bezahlen, damit Kinder nicht nur im Kleinkindalter, sondern auch beim Heranwachsen geschützt sind. Wir sind einen Vertrag mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte eingegangen, sodass die Kosten für die Untersuchungen direkt vom Arzt über die Versichertenkarte abgerechnet werden können. Somit haben Kinder auch im Alter von 7-8 (bei der U10), 9-10 (bei der U11) und 16-17 Jahren (bei der J2) noch mal die Chance auf einen Check-up.

Für eine Übersicht kannst du auch gerne HIER schauen.


Gibt es Unterschiede in den Bundesländern?
Nein, das ist überall in Deutschland gleich geregelt. Sowohl die U- als auch die J-Untersuchungen haben den selben Inhalt, und auch die gesetzlichen Leistungen unterscheiden sich nicht in den einzelnen Bundesländern. Die Richtlinie zur Früherkennung von Krankheiten bei Kindern gilt bundesweit für Ärzte und Ärztinnen.

Warum sollte man die U’s machen? Vorteile für die Entwicklung?
Wie gesagt, dienen die Untersuchungen vor allem dazu, die körperliche und geistige Entwicklung eines Kindes zu beobachten und bieten daher vor allem Sicherheit. Sollte doch einmal etwas entdeckt werden, ist das meist kein Problem. Denn viele Krankheiten oder Entwicklungsstörungen im Kindes- und Jugendalter lassen sich gut behandeln, wenn sie rechtzeitig erkannt werden.

Muss ich die Untersuchungen im vorgegebenen Alter machen lassen?
Die Untersuchungen sollten wirklich im dafür genannten Zeitraum stattfinden, weil sie dann am sinnvollsten und aussagekräftigsten sind. Natürlich gibt es Toleranzgrenzen, aber werden die Untersuchungen nicht im vorgegebenen Altersabschnitt durchgeführt, darf die Kasse die Kosten leider nicht erstatten. Dann können Eltern erst wieder zur darauffolgenden Untersuchung mit ihrem Kind gehen.

Meine Tochter wird bald 8 Jahre alt und hat ja keinen gesetzlichen Anspruch mehr auf eine U-Untersuchung. Was kommt nach der U9? 
Die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen der Kassen enden erst einmal nach der U9, also etwa nach dem 5. Geburtstag eines Kindes (theoretisch geht es dann erst wieder mit der J1 im Alter von 13 Jahren weiter). Das ist ein ziemlich langer Zeitraum, da tut sich bei der Entwicklung von Kindern so viel. Daher empfehlen und zahlen wir auch die U10 und die U11. Bei der U10, die im Alter von 7-8 Jahren gemacht werden sollte, untersucht der Arzt oder die Ärztin das Kind auf Lese- und Rechtschreibstörungen. Auch die motorische Entwicklung wird angeschaut und ob eventuell Verhaltensstörungen beim Kind vorliegen. Die U11, zwei bis drei Jahre später, bezieht eventuell vorhandene Probleme in der Schule mit ein, und auch mögliche Sozialisations- und Verhaltensstörungen spielen wieder eine Rolle. Hier schauen sich Arzt oder Ärztin auch den Mund- und Kieferraum des Kindes genauer an und beraten zu Themen wie Ernährung, Bewegung, Stress, Sucht und Mediennutzung.

Warum sind die weiteren U-Untersuchungen kein Standard?
Der Gesetzgeber hat die U1-U9 und die J1 als Standard eingeführt, weil Kinder sich vor allem in den allerersten Lebensjahren sehr schnell entwickeln. Wir finden aber, dass der Zeitraum von acht Jahren zwischen der U9 und der J1 dennoch ziemlich lang ist. Im Alter zwischen 5 und 13 passieren so viele wichtige Dinge im Leben von Kindern und Jugendlichen, wie die Einschulung oder auch der Eintritt in die Pubertät. Wer sichergehen will, dass sich sein Kind gut entwickelt und Krankheiten oder Entwicklungsstörungen so früh wie möglich behandeln will, kann mit seinem Kind daher zur U10 und U11 gehen. Nach der J1 kommt noch die J2, die ebenfalls keine Kassenleistung ist. Diese zahlen wir aber ebenfalls zusätzlich. Die J2 ist für 16- bis 17-Jährige gedacht. Hier können Pubertäts-, Sexual- sowie Sozialisations- und Verhaltensstörungen erkannt werden. Außerdem steht die Untersuchung auf Haltungsstörungen, Kropfbildung und Diabetes auf dem Plan.

Ihr seht, U-Untersuchungen sind immens wichtig, um mögliche Auffälligkeiten in der motorischen oder sprachlichen Entwicklung beim Kind frühzeitig erkennen zu können. Nur so können Maßnahmen zur Verbesserung greifen. Ob eure Krankenkasse die weiteren U-Untersuchungen im Schulalter zahlt? Fragt doch einfach mal nach. Bei der SBK seid ihr auf alle Fälle richtig. Denn hier bekommt ihr viele zusätzliche Leistungen, die die Krankenkassen nicht zahlen.


Früherkennungsuntersuchungen



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