Gastbeitrag: Eine deutsche Familie in den USA

Mit fünf Koffern auf in ein neues Leben



Diese letzten Male: manchmal fiebern wir lange auf eine Veränderung hin und verabschieden uns bewusst, ein anderes Mal wissen wir nicht einmal, dass wir etwas ein letztes Mal erlebt haben. Und dennoch haben alle diese letzten Mal eines gemeinsam: sie sind unwiederbringlich. Manchmal versucht man, diese letzten Male, altbekannte Situationen oder etwas aus dem alten Leben nochmal zu erleben und zurückzuholen und stellt dann schmerzlich fest, dass das nicht möglich ist. Ja, es schmerzt, etwas hinter sich zu lassen und Abschied zu nehmen. Ob bewusst oder unbewusst. Doch wenn man den Abschied mit all den dazugehörigen Hochs und Tiefs zulässt, wird man vermutlich niemals wieder versuchen wollen, das Zurückgelassene wieder zu haben. Denn das Geschenk des neuen Lebens ist das wunderschönste, das man jemals erhalten hat. Und wie das mit Geschenken so ist, möchte noch kann man sie  je wieder zurückgeben.


Wir leben nun seit 1,5 Jahren in Amerika und wenn ich heute auf diese Zeit der Auswanderung zurückblicke, empfinde ich nichts anderes mehr als Dankbarkeit für dieses unendlich große Geschenk, das ich erhalten habe.


Auswandern in die USA
Die Koffer sind gepackt

Am 8.10.2015 setzten wir uns mit nur 5 Koffern, einem Kindersitz und einem Mountainbike in den Flieger mit einem One-Way-Ticket nach LA. Wir hatten alles, was wir in den zu vorigen 10 Jahren angesammelt hatten, zurückgelassen, die Möbel verkauft und unser altes Leben in einen großen Karton gepackt, den wir nie wieder öffnen können.


Wie sich das anfühlte?


Zunächst nach großer Erleichterung und Durchatmen. Doch im Laufe der Zeit kamen immer wieder Momente, in denen wir nur allzu gerne den Karton geöffnet hätten und uns ein paar Komponenten herausgenommen hätten.


2015 ging es also für undefinierte Zeit ohne Job, ohne Wohnung und nur mit ein paar Habseligkeiten in den Golden State. Doch angefangen hatte diese Reise bereits 8 Jahre zuvor, als wir das erste Mal gemeinsam Urlaub in NY gemacht hatten und uns direkt verliebt hatten. Und bereits damals nach nur 3 Wochen Urlaub fühlten wir uns zurück in Deutschland das erste Mal fremd.


Fremd im Heimatland.


Das wiederholte sich, als ich 2011 nach einem dreimonatigen Praktikum in NY zurück nach Deutschland kam. Die Straßen waren plötzlich zu eng, die Bedienung an der Kasse zu unfreundlich und die Umgebung zu ruhig und zu sauber. Ich fühlte mich wie eingeschnürt und wollte nur noch wieder weg. Ich glaube, es dauerte ein Jahr, bis ich wieder in Deutschland zurecht kam. Doch dieses Gefühl des Fremdfühlens ließ uns beide nicht mehr los. Und somit beschlossen wir nur ein Jahr später, bei der Greencard Lotterie teilzunehmen. Als wir einen Monat vor unserer Hochzeit im Jahr 2013 direkt bei der ersten Teilnahme gewonnen hatten, wussten wir, dass unsere Zeit in Deutschland ein Ablaufdatum hatte.

Es folgten etliche Behördengänge, zwischendurch wurde unsere Tochter geboren und wir lösten unser altes Leben auf wie eine Rauchwolke.


Und dann war es soweit und es gab kein Zurück mehr.


Zunächst fühlte sich unser neues Leben wie ein großer Fehler an. Denn die Wohnung war nicht direkt einzugsbereit und wir schleppten bei 40 Grad im Schatten 5 Koffer und Kleinkind von Hotel zu Hotel. In dieser Zeit und auch die ersten Wochen in der neuen Wohnung wachten wir manches Mal nachts auf, und fragten uns, was um alles in der Welt wir uns dabei gedacht hatten, unser sicheres Leben einfach so in die Tonne zu treten.

Als wir dann aber das erste Mal in unserem alten SUV direkt am Meer campten und den Ausblick aus unserer Kofferraumluke auf den Pazifik genossen, schwante uns bereits, dass dieser Zauber  etwas unbeschreiblich Großes versprechen konnte.

Auswandern mit Kindern


Diese Erkenntnis sollten wir aber erst viele Monate später erhalten.


In der Zwischenzeit schwanden die anfänglichen Urlaubsgefühle und die Herausforderungen, ein neues Leben zu gestalten, wurden mehr und mehr. Wie lange es tatsächlich dauern sollte, bis wir uns angekommen und zu Hause fühlen sollten, wussten wir lange Zeit nicht.


FORTSETZUNG FOLGT...


Auswandern mit Kindern
ein Paradies?
Ein Gastbeitrag von Little Steps

Kommentare:

  1. Oh, das klingt total aufregend! Doch wenn wir auswandern würden, dann nur in unser geliebtes Dänemark ;) Ich bin gespannt, wie es weitergeht!

    Liebe Grüße
    Küstenmami

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  2. Oh wow, wir sind auch seit ein paar Monaten in L.A. Seid ihr noch da oder hat es euch schon woanders hin verschlagen?

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