Wenn Kinder schlecht sehen (+ Checkliste zum Ausdrucken)

Wie Eltern Sehstörungen rechtzeitig erkennen können -
Eine Checkliste für den Arztbesuch


Seit Start des neuen Schuljahres erzählt mir meine Tochter, dass ein Schulfreund, nennen wir ihn mal Lukas, den Unterricht zunehmend stört. Eigentlich kenne ich ihn als aufmerksamen Schüler, nett und freundlich. Seine Mutter hat mir erzählt, dass er zu Hause häufig über Kopfschmerzen klagt und oft müde ist. Der Kinderarzt riet den Eltern zum Augenarzt zu gehen. Der findet dann tatsächlich den Grund für Lukas' Problem: Er braucht einfach eine Brille.

Lukas Fall steht für so viele. Auch ich bin schon zum Augenarzt, weil ich zur Uni-Zeit öfter verschwommen gesehen habe und mich nicht mehr konzentrieren konnte. Gerade bei Kindern ist es so wichtig, dass Eltern und Kinderärzte so aufmerksam sind. Denn Schätzungen zufolge sieht jedes 10. Kind seine Umgebung unscharf - leider bleiben viele Sehschwächen unentdeckt. Das kann nicht nur die kindliche Entwicklung hemmen oder das Verhalten in der Schule negativ beeinflussen. „Schlechte“ Augen haben oft auch unumkehrbare Auswirkungen auf das Sehvermögen im Erwachsenenalter, wenn sie nicht entdeckt werden. Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung allerdings können viele Erkrankungen, wie beispielsweise Schielen, in den ersten Lebensjahren geheilt werden.


 Sehschwäche: Worauf sollten Eltern achten?


Eltern sollten wissen, dass sich Augenprobleme bei Kindern ganz unterschiedlich äußern können.

Ich habe mich einmal bei Lydia Bodner, zuständig bei der SBK für ambulante Versorgung, schlau gemacht. Lydia hat mir gesagt, welche typischen Anzeichen von Sehschwäche es gibt, die vom Arzt abgeklärt werden sollten:


Äußerliche Anzeichen beim Kind
  • Keine Reaktion auf Lichtreize oder lichtscheu 
  • Verdreht öfter die Augen
  • Der Kopf wird schief gehalten
  • Erste Anzeichen von Schielen

Äußerliche Anzeichen beim Kind
  • Auffallend große Augen 
  • Viele Tränen 
  • Ständiges Reiben mit den Fingern
  • Häufiges Vorbeigreifen an Gegenständenvermehrtes Stolpern oder Stoßen an Möbeln 
  • Balancestörungen

"Um Defizite beim Sehen auszugleichen, strengt sich der Körper mehr an und ist dementsprechend eher erschöpft", so Lydia Bodner. "Daher können auch weniger offenkundige Dinge ein Hinweis auf Probleme mit den Augen sein."

So auch wie bei Lukas, der nach der Schule häufig über Kopfschmerzen klagte oder beim Malen, Lesen oder Schreiben schnell ermüdete. Andere Anzeichen können auch Schwierigkeiten beim Ausschneiden und langsames, flüchtiges oder fehlerhaftes Lesen sein. Spätestens, wenn kein Blatt mehr zwischen Kind und Buch passt oder die Tafelbilder nur noch mit zusammengekniffenen Augen zu erkennen sind, sei es höchste Zeit für einen Arztbesuch. Nicht selten besteht ein Zusammenhang von sich plötzlich verschlechternden Schulnoten und Sehschwächen.

Die Aufgabe des Kinderarztes

Der Kinderarzt fungiert dabei als Partner der Eltern: In den regelmäßigen U-Untersuchungen sind Augentests fester Bestandteil, und auch bei Kopfschmerzen, motorischen Schwierigkeiten oder anderen Problemen ist er sicher die erste Anlaufstelle. Haben Kinderärzte oder Eltern einen Verdacht auf eine Sehschwäche, führt der nächste Weg zum Augenarzt.

 
Augenkrankheit_Lari Lara
Foto: Eric Thevenet

Keine Angst vorm Augenarzt

Kinder und Eltern sind vor dem ersten Besuch beim Augenarzt gleichermaßen nervös. Dabei ist die Aufregung meist völlig unbegründet, denn Ärzte und Orthoptisten, also Fachkräfte, die bei der Vorsorge, Behandlung und Diagnostik von Sehstörungen mitwirken, achten bei Kindern besonders auf eine spielerische und altersgerechte Herangehensweise.

Was passiert beim Augenarzt?
Bei einer Basisuntersuchung werden die Sehschärfe und die Zusammenarbeit beider Augen geprüft. Damit der Arzt herausfinden kann, ob sein junger Patient fehlsichtig ist und um den Augenhintergrund untersuchen zu können, ist die Verabreichung von Augentropfen (meist Zyklolat-Augentropfen) notwendig. Die Tropfen können vorübergehend zu verschwommenem Sehen und erhöhter Blendempfindlichkeit führen. Sollte der Arzt Weit- oder Kurzsichtigkeit feststellen, kann das problemlos mit einer Brille behandelt werden. Als Faustregel gilt hier, dass eine Brille erst bei Weitsichtigkeit ab +2.00 Dioptrien verordnet werden muss. Eine Kurzsichtigkeit hingegen soll schon ab -0.5 Dioptrien ausgeglichen werden. Mit der passenden Sehbrille und der richtigen Behandlung können Kinder die Welt schließlich mit scharfem Blick erkunden.


Die häufigsten Augenerkrankungen bei Kindern*


Ametropie: Sammelbezeichnung für alle Formen der Fehlsichtigkeit, die durch einen zu hohen oder zu niedrigen Brechwert des Auges und/oder Achsenlängenveränderung des Auges verursacht werden. Diese Fehlsichtigkeit äußert sich je nach Ursache in Weit- oder Kurzsichtigkeit
Strabismus (Schielen): Augenmuskelgleichgewichtsstörung, die sich in einer Fehlstellung beider Augen zueinander ausdrückt.
Amblyopie (Schwachsichtigkeit)*: Funktionale Sehschwäche eines oder (seltener) beider Augen, die auf einer unzureichenden Entwicklung des Sehsystems während der frühen Kindheit beruht.
Frühgeborenen-Retinopathie (RPM): Netzhautschädigung bei Frühgeborenen, bedingt durch eine gestörte Blutgefäßentwicklung der Retina aufgrund der Unreife des Frühgeborenen.

Führt der Weg doch einmal zum Spezialisten oder in eine Augenklinik, dann hilft zum Beispiel die Krankenkasse wie die SBK bei der Facharzt- und Kliniksuche.

* Lydia sagte mir noch, dass die SBK als eine der relativ wenigen Krankenkassen die Online-Sehschule "Spielend besser sehen!" bei Amblyopie übernehmen. Das finde ich eine tolle Sache, scheuen sich doch viele Eltern oder können es schlichtweg nicht, Kosten für eine solche Untersuchung aufzubringen. Mehr Infos dazu findet ihr HIER.


Ihr wollt nun einmal abklären lassen, ob die Augen eurer Kinder in Ordnung sind oder habt Auffälligkeiten entdeckt, die ich im Text beschrieben habe? Dann druckt euch einfach die Checkliste aus, macht einen Termin beim Kinderarzt und nehmt die Liste mit. Dann seid ihr bestens gewappnet.


Die Checkliste könnt ihr HIER HERUNTERLADEN



Wir haben unseren Termin in 2 Wochen. Unser Kinderarzt machte uns auf leichtes Schielen aufmerksam. Ich bin froh, dass das abgeklärt wird, auch, wenn es zu einer Routineuntersuchung bei 3-jährigen zählt.


*Quelle: Statista


Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung mit der SBK.



Weitere Checklisten zum Download findet ihr hier:

1 Kommentar:

  1. Unsere Augen sind sooooo wichtig. Ich selbst trage Brille, dass finde ich auch nicht wirklich schlimm. Bisher ist dieser Kelch an meinen Jungs vorbeigegangen. Aber wir kontrollieren ihre Augen auch regelmäßig. Der Große hatte vor 3 Wochen seinen letzten Sehtest und der Kleine hat in 2 Wochen seine U9 bei der auch nochmal auf die Augen geschaut wird.
    Liebe Grüße,
    Bea

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