Brief an meine Tochter

Ein Brief von mir an dich, meine Große

Nun bist du also 7 Jahre alt! Ich gratuliere dir von ganzem Herzen. Du bist meine Erstgeborene. Mein Wunschkind Nr. 1. Was ist seither geschehen? Was haben wir alles erlebt, durchlebt und überlebt? Es war nicht immer leicht mit dir, doch war es immer schön. Zumindest im Nachhinein kann ich das sagen.

Eine Mama gibt nicht auf

Als du vor 7 Jahren zur Welt kommen wolltest, stelltest du mich auf die erste Probe. 15 Stunden lang lag ich in den Wehen und dann kamst du doch per Kaiserschnitt auf die Welt.




Dann begannen viele Stunden des Kuschelns, Stillens und des Kennenlernens. Du lernst bis heute jeden Tag etwas dazu. Als Baby brachte ich dir bei, wie man krabbelt, sitzt und isst. Mit knapp 11 Monaten hast du es geschafft die ersten Schritte alleine zu gehen - meine Hand habe ich dir immer gereicht, wenn du sie gebraucht hast. Dann wurdest du zum Kleinkind. Immer selbstständiger wurdest du und ich konnte beobachten, dass du mich immer weniger brauchtest.


Mit den Monaten kamen die Schwierigkeiten

Ich erinnere mich noch gut, dass wir die ersten Schwierkigkeiten hatten, als du 3 Jahre alt wurdest. Sobald ich den Schlüssel im Schloss umdrehte und wir die Wohnung betraten, gerieten wir aneinander. Nichts konnte man dir recht machen. Doch ich hörte zu. Ich bin deine Mama. Die Trotzphase begann und ich hoffte, dass sie irgendwann aufhörte. Zu allen anderen warst du lieb. Eltern von deinen Freunden hatten dich gerne im Haus. Denn du warst immer die liebe und höfliche Prinzessin. Doch nicht bei mir. Immer und immer wieder stelltest du mich auf die Probe.

Wenn ich nicht mehr mag

Auch ich komme an meine Grenzen. Ich bin am Verzweifeln. Es tut weh. Ich komme nicht an dich ran. Nun bis du 7 Jahre alt, meine Große. Und du bist doch noch so klein. Du brauchst mich. Du machst es mir nicht leicht. Denn auch heute bis du noch weit weg von einem einfachen Kind. Jeder Tag ist ein Zerren und Verhandeln. Ich muss auch noch viel lernen. Auch ich muss noch viel lernen; lernen wie ich mit dir umgehen soll, wie ich dir helfen kann und wie wir uns verstehen können. Doch lass mich an dich ran. Lass mir dir helfen. Ich bin deine Mama. Du brauchst mich doch. Du lässt mich oft fühlen, wie wütend du bist. Auf mich, auf die Welt. Du schreist mich an. Dann mag ich nicht mehr. Und gehe. Ich mache die Tür zu. Warte ab. Ich komme wieder. Denn ich bin deine Mutter.

Meine Tochter - für immer

Ich lasse dich nicht wissen, wie es mir geht. Du bist noch so klein. Ich bin unendlich traurig über dein Verhalten. Doch ich hoffe, dass wir irgendwann wieder normal miteinander umgehen können. Dass wir viel lachen und Spaß haben. Ohne die ständigen Reibereien. Das ist so anstrengend. Es zerreißt mich. Es macht mir mein Leben und meine Freude schwer. Aber ich bin immer für dich da. Denn ich liebe dich. Für immer.

Deine Mama



1 Kommentar:

  1. Danke für diesen mutigen und ehrlichen Beitrag. Auch ich habe diese schwierigen Tage mit meinem Sohn. Mittlerweile gelingt es mir meistens darüber hinweg zu sehen, da ich mir in diesen Situationen die schönen Momente mit ihm ins Gedächtnis rufe und mir bewusst mache, wie einzigartig er ist und wie schön doch seine Augen und langen Wimpern sind :-). Als er kleiner war, habe ich mich dann manchmal nachts zu ihm gelegt oder ihn beim schlafen beobachtet, das hat mir Kraft gegeben. Und heute stehe ich oft ganz ruhig und gelassen vor ihm, wenn er tobt und versuche ihm zu vermitteln: ich ruhe in mir und wenn Du willst, helfe ich Dir auch da hinzukommen. Ich kann sagen, aktuell habe ich meinen Frieden damit geschlossen, er ist jetzt auch schon 12 und ich hoffe es bleibt trotz Pubertät :-) so und das spürt er glaub ich auch und rastet weniger aus. Ich wünsche Dir, mir und allen anderen Eltern viel Gelassenheit und schöne Momente, die uns lange davon zehren lassen.

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