Donnerstag, 5. November 2015

Interviewreihe: Mama, hast du noch ein Hobby?

Weiter geht es in der Interviewreihe zum Thema "Hobbie & Kinder" mit der sympathischen Andrea vom Blog Life ain't over. Schaut euch auch mal die tollen bearbeiteten Fotos an. Die finde ich ja besonders schmucke.
Hallo! Ich bin Mama eines sieben Monate alten Jungens und wohne mit meinem Mann im Münchner Süden. Er macht "was mit Fußball", ich mache "was mit Medien", auch wenn ich eigentlich Ägyptologie studiert habe. Aktuell befinde ich mich in meiner zwölf Monate dauernden Elternzeit. 

Welche Hobbys hattest du vor Schwangerschaft und Geburt?

Mein Mann und ich sind gerne verreist, mehrmals pro Jahr und gerne so, dass wir keine zwei Nächte im selben Hotel blieben. Mit ihm und mit Freunden war ich häufig im Kino und im Museum. Zu den großen Partygängern zählte ich schon vor der Geburt meines Kindes nicht. 
Kreativ sein und mit den Händen arbeiten war und ist für mich großartig: Alle paar Wochen musste ich ein Zimmer umstellen oder zumindest austüfteln, wie es aussehen könnte. Dazu zeichne ich gerne auf dem Papier und am PC.
Da ich etwas eitel bin und immer mit den Pfunden kämpfe, hab ich etwas Yoga und Aerobic gemacht, bin geritten und zum Schwimmen gegangen. Und zumindest einmal die Woche musste ein Kuchen in die Röhre, um die Kalorien wieder reinzuholen.
Was hat sich für dich verändert, seitdem du Mama geworden bist?
Ich bin ja noch nicht so lange Mama, und in der Elternzeit ticken die Uhren eh anders. Natürlich ist ein kleines Kind ganz schön fordernd – vor allem in den ersten vier Monaten. Und weil ich diejenige bin, die mehr zuhause ist, bleibt an mir auch mehr Hausarbeit hängen.
Weil mein Knirps aber gerne da ist, wo Action ist, komme ich trotzdem viel raus – mein Alltag ist jetzt spannender. Insgesamt sind mein Mann und ich aber etwas gemütlicher, häuslicher, praktischer geworden. Zumindest temporär.
Der Schlaf nimmt mittlerweile einen hohen Stellenwert ein. Ich wäre froh, mal wieder bis um sechs Uhr schlafen zu dürfen, seeehr gerne ohne Unterbrechungen. Schlaf ist ein Hobby, für das ich gerne mehr Zeit hätte. 
Räume umzustellen ist kein Hobby mehr, sondern mit einem Mitbewohner mehr eine spaßige Notwendigkeit.
Hast du noch die gleichen Hobbys?
Origami ist etwas, das ich vorher schon mochte, aber gerade zum Ende der Schwangerschaft viel gemacht habe. Dafür ist definitiv keine Zeit mehr! ;-) Statt zum Buch zu greifen, nutze ich ausgedehnte Spaziergäng mit dem Junior, um Hörbuch zu hören.
Das Reiten habe ich schon zu Beginn der Schwangerschaft aufgegeben, und ich fange auch erstmal nicht wieder damit an. Zum einen nimmt es viel Zeit in Anspruch, zum anderen bin ich mir auf einmal des Risikos bewusst.
Anderes ist fast gleich geblieben: Der Kuchen ist aus der Wohnung verbannt – die letzten Schwangerschaftspfunde verschwinden eben nicht durch gutes Zureden. Dafür backe ich mehrmals die Woche selbst Brot und kredenze Babybrei, der einer Sterneküche würdig wäre. Mit einer Freundin besuche ich einen Pilates-Kurs, zu dem unsere Kleinen mitkommen können. In der gleichen Konstellation machen wir auch die lokalen Schwimmbäder unsicher. Und anstelle von einem PS benutze ich meine eigenen Füße, versuche so viel wie möglich zu laufen, wenig den Bus zu nehmen. Aktuell habe ich ja noch die Zeit dazu. Das wird mir fehlen, wenn ich nach der Elternzeit wieder gestresst ins Büro fahre.
Was eindeutig geblieben ist, ist die Liebe zum Reisen. Natürlich muss man das hier und da anpassen. Wir besteigen weniger Türme. Schauen, dass wir zur Schlafenszeit zurück im Hotel sind. Reduzieren das Kulturprogramm. Überlegen, wie wir unterwegs ähnlich gute Bedingungen herstellen können, wie wir sie zuhause für unser Baby geschaffen haben. Auf meinem Blog nimmt dieses Thema einen großen Raum ein.
Bislang läuft es bei mir so: Solange ich mein Kind mitnehmen kann, kann ich Hobbys wahrnehmen. Und als neues Hobby ist ja auch das Bloggen hinzugekommen.
Hast du Unterstützung?Einmal pro Woche passt die Oma auf das Baby auf, so dass wir mal wieder Paar spielen können. Dann geht's ins Kino, ins Theater, ins Museum, zum Schwimmen, auf die Rennbahn oder oder oder. Wir hatten uns schon vor der Geburt vorgenommen, uns zweimal pro Monat nur zu zweit zu sehen; sonst können die Veränderungen, die ein Kind mit sich bringt, ganz schnell auch Veränderungen an der Beziehung bedeuten.
Wenn ich mich mal alleine mit einer Freundin treffen will, findet sich immer ein Termin für einen Papa-Sohn-Abend. Mein Mann nimmt den Kleinen auch, wenn ich beispielsweise in Ruhe am Blog arbeiten will. Das klappt freilich nicht immer. 
Haben sich seit der Geburt deines Kindes deine Interessen verändert?Absolut! Ich lese Artikel, die mir sonst niemals aufgefallen wären, habe neue Freunde, mit denen ich ohne unsere Kinder nicht ins Gespräch gekommen wäre, suche neue Lösungen zu neuen Herausforderungen. Wenn ich alleine an einem neuen Ort bin, fällt mir sofort auf, wie es um die Barrierefreiheit bestellt ist. Und teilweise bin ich auch ängstlicher und pessimistischer geworden, weil ich meinen Sohn gerne in eine bessere Welt entlassen würde als die jetzige.
Ich hatte geglaubt, mit Kind vieles relaxter zu nehmen. Stattdessen habe ich einfach zusätzliche Check- und Aufgabenlisten im Kopf.  
Hast du Tipps, wie man auch mit Kind seinen Hobbys nachgehen kann?Auf der einen Seite kommt es auf die Art des Hobbys und die Reife des Kindes an. Ich glaube, um Stress zu reduzieren, muss man sich von statischen Hobbys verabschieden, wenn man ein Kind hat. Es gibt vieles, wo man das Kind mitschleppen oder gar einbeziehen kann. Mein Sohn war schon mit im Museum, auf Wanderungen, in Restaurants und mit auf Reisen. Er sieht mir gerne dabei zu, wenn ich den Brotteig knete. Noch tobt er beim Pilates neben mir auf der Decke rum – das geht wohl nicht mehr lange gut. Dafür macht er dann vielleicht begeistert mit mir Pralinen – oder entdeckt seine Liebe zur Kunst des Papierfaltens.
Auf der anderen Seite kann ich mir gerade schwer vorstellen, wie es sein wird, wenn ich erst eingekesselt bin zwischen Kita Bring- und Abholzeiten, Büro, Haushalt und dem vollkommen überschätzen Schlaf. Mit dem Rückhalt durch Partner und Familie ist es bestimmt einfacher, Zeit für sich nicht nur zu fordern sondern auch zu bekommen. 
Meine Arbeitsstelle liegt im Osten Münchens, das ist eine ziemliche Fahrerei mit den Öffentlichen. Ich hoffe, dass sich der lange Arbeitsweg nutzen lässt, um zumindest Hobbies wie Lesen, Bloggen und Musik hören unterzubringen. 
Seit wir die Zusage für einen Kita-Platz haben, ist mir allerdings bewusst, dass das Hobby, auf das ich die meiste Zeit verwenden will, mein Sohn ist. 

Vielen Dank für deine Antworten, liebe Andrea.

Auch ich habe ihr geantwortet. Mein Interview könnt ihr hier lesen: http://lifeaintover.de/2015/10/21/blogparade-mami-hast-du-noch-ein-hobby/

Wollt auch ihr an meiner Interviewreihe teilnehmen? 
Dann schreibt mir einfach an isa.news (at) gmx.net

Liebe Grüße
eure Isa




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