Dienstag, 8. September 2015

Himmelhoch jauchzend / Zu Tode betrübt - mein Kind ist 15 Monate alt

Wie ein ganz normaler Tag zur Achterbahnfahrt wird

Meine kleine Tochter ist nun genau 15 Monate. Sie wurde in letzter Zeit viel für ihre Fröhlichkeit gelobt. Wir waren letzten Samstag auf einem 40. Geburtstag im Ruderclub eingeladen. Es ging am Nachmittag los mit Kaffee und Kuchen und später wurde gegrillt und getanzt. Unser Kleine war ein Sonnenschein (das Wetter nicht) und sie tanzte, lachte und wickelte jeden um den Finger. Um 19 Uhr legte mein Mann sie in den Nebenraum und sie schlief für die nächsten 3 Stunden.

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Anfang der Woche zeigte sich dann aber etwas Merkwürdiges. Erst spielt sie mit voller Inbrunst und mit Lust mit ihren Bauklötzen, lässt sich ein Buch vorlesen und in der nächste Sekunde laufen dicke Tränen ihre süßen Wangen runter. Gestern war ich dann echt genervt.

Dienstag ist Geräteturn-Tag
Nach der Kita hole ich dienstags immer beide Kids ab, da die Große zum Geräteturnen geht. Im Sommer bin ich dann mit Klein E. auf den Spielplatz oder scheibe sie durch den Wald. Der Norden Deutschlands war gestern mit Sonne gesegnet und wir gingen zuerst auf den Spielplatz. Gefühlte 50x habe ich sie zur Rutsche geführt und sie ist runter gesaust. "Da, ja, da" - immer, und immer wieder. Dann wurde der Schalter umgelegt.

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Klick
Jetzt hatte ich ein anderes Kind. Es schrie, als hätte ich ihr einen Arm abgerissen. Sie war so wütend, dass sie ihr Gesicht in den Sand grub. Noch wütender, weil sie Sand im Mund hatte, schrie sie noch lauter (wenn das überhaupt geht). Wir sind vom Spielplatz weg und in den Wald. Ich dachte, Ablenkung tue gut. Tja, Fehlanzeige, Mama! Sie war nicht zu beruhigen. Kein Buggy, kein Hochnehmen, kein Schmusen, keine Hand. Nichts half. Ich dachte schon, gleich kommt die Polizei.

Klick
Sie lacht mich an. Ich wische ihr die Tränen weg. Küsse sie. Wir laufen zur Sporthalle. Aber das Geräteturnen geht noch 30 Minuten. Rein können wir nicht, da Klein E. sonst in die Halle rennt und auf die Sportmatten huscht. Nicht erlaubt!

Klick
Sie brüllt. Eine Mama lächelt mich vor der Halle an. Ich versuche zu erklären, was los ist. Sie sagt nur, dass sie das kenne. So ist das eben mit 15 Monaten.

15 Monate
Was passiert da eigentlich mit meinem Mädchen? Das Buch "Oje, ich wachse" von Hetty van de Rijt und Frans X. Plooij erklärt ja immer wieder die unterschiedlichen Phasen der Heranwachsenden. Das Buch habe ich allerdings nach Kind 1 verkauft.

Trotzdem musste ich mal im Netz nachlesen, was mit 15 Monaten im Kind so vor sich geht.

Alles nur eine Phase - und das sagt das Buch:
Ihr Kind kann nun zum ersten Mal Aktionen, die es gelernt hat, verändert ausführen. Mit dieser neuen Fähigkeit spielt es: Sie sehen es Handlungen endlos variieren und die Folgen davon beobachten. Sie entdecken Ihr Kind dabei, wie es lustige Dinge tut, die Außenwelt kennenlernt, geschickter mit Gegenständen und Sprache umgeht, andere nachmacht, den Tagesablauf nachspielt, Gefühle austestet, vorausdenkt, kleine Theaterstücke aufführt und Mitsprache einfordert. Sie stellen jetzt fest, dass es auch aggressiv sein kann, einen Unterschied zwischen „mein“ und „dein“ zu machen beginnt, Scherze als Strategie einsetzt, um etwas zu bekommen, mit den Begriffen „ja“ und „nein“ jongliert, einfallsreicher wird, um andere für sich zu gewinnen, die Bedeutung von Zusammenarbeit lernt, im Haushalt mithelfen will und mit den Attributen „unbesonnen“ und „sorgsam“ experimentiert.
Den Willen durchsetzen
Erwachsene haben eine jahrelange Erfahrung auf dem Gebiet der Prinzipien. Wir wissen z.B., was Gerechtigkeit, Freundlichkeit, Mitmenschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Zusammenarbeit bedeuten. Wir wissen aber auch, wie wir mit unserem Verhalten anderen gegenüber das erreichen können, was wir wollen. Ihr Kind muss das alles erst noch lernen. Es experimentiert. Und es findet heraus, dass man mit Bravheit eine ganze Menge erreichen kann. Mit großen Augen und einer einschmeichelnden Stimme bearbeitet es Sie, um seinen Willen durchzusetzen. Eigentlich ziemlich schlau!
Türme aus Bausteinen
Bei den sozialen Prinzipien geht es um Dinge, die sich gehören, und Dinge, die man besser nicht tun sollte. Diese Prinzipien haben mit Normen und Werten zu tun. Doch existieren auch andere Arten von Prinzipien, die nicht sozialer Natur sind. Ein solches Prinzip könnte es bspw. sein, beim Puzzeln mit dem Rand zu beginnen. Ein anderes Prinzip ist möglicherweise, die Speisen, die man nicht so gerne mag, zuerst zu essen, und sich die leckeren Sachen bis zum Schluss aufzusparen. Doch auch die Naturgesetze gehören zu den nicht-sozialen Prinzipien – und Ihr Kind beginnt jetzt, diese Naturgesetze zu entdecken! Es lernt, einen Turm aus Bausteinen zu bauen, indem es den größten Baustein als Grundstock nimmt und die anderen Bausteine darauf stapelt. Wenn es den Turm nicht auf diese Weise baut, fällt er um und Ihr Kind ist frustriert.

Ich habe also ein echtes Kleinkind. Bravo. Glückwunsch. Wann hört das auf? Meine Große ist 5. Und ich kann sagen: NIE! Es ändert sich nur.

Bis bald
eure Isa



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